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Laktoseintoleranz: Dahinter verbirgt sich eine Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker, von der in Deutschland etwa 15 Millionen Menschen betroffen sind. Die Informationsflut zu diesem Thema ist groß: Milchprodukte ja oder nein? Ist Ziegenmilch eine Alternative? Bekommen laktoseintolerante Menschen eher Osteoporose? Mehr dazu und weitere Irrtümer hat unsere Ernährungsexpertin Dr. Gunda Backes untersucht und richtiggestellt. |
Stimmt nicht. Eine Laktoseintoleranz kann zwar angeboren sein, dies ist aber sehr selten. Bei dieser sogenannten Alaktasie fehlt schon von Geburt an das Enzym Laktase völlig. Betroffene müssen hierbei lebenslang auf Laktose verzichten. Am weitesten verbreitet ist dagegen der sogenannte „primäre Laktasemangel“, den man erst im Laufe des Lebens erwirbt. Dabei verringert sich die Laktaseaktivität mit steigendem Alter.
Stimmt nicht. Laktoseintoleranz ist eine Unverträglichkeit gegenüber Laktose, keine Allergie. Bei einer „echten“ Allergie reagiert das Immunsystem auf fremdes Eiweiß wie etwa Milcheiweiß und bildet darauf Antikörper. Eine erneute Aufnahme dieses Eiweißes führt zur Ausschüttung bestimmter Stoffe wie etwa Histamin, was zu den typischen allergischen Reaktionen an Haut, Darm oder Atmung führen kann. Die Symptome von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien können sich jedoch ähneln. Klarheit, ob es sich um eine Laktoseintoleranz oder eine Milcheiweißallergie handelt, kann nur der Arzt schaffen.
Stimmt nicht. Eine Studienanalyse konnte zeigen, dass bei den meisten Menschen erst eine Menge von etwa 25 g Laktose (entspricht etwa einem halben Liter Milch) zu entsprechenden Symptomen führt. Laktosemengen unter 12 g (etwa 200 ml Milch) wurden dagegen von den Betroffenen gar nicht bemerkt. Die Verträglichkeit kann aber von Person zu Person deutlich schwanken. Mehr Informationen finden Sie in der Originalstudie.
Stimmt nicht. Laut einer Umfrage zum aktuellen Milchkonsum in Nordrhein-Westfalen, einem Studentenprojekt der Fontys Internationale Hogescholen Venlo und der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW, kaufen nur 5% aller Konsumenten laktosefreie Produkte. Ein gesamtwirtschaftlicher Trend ist daher nicht zu verzeichnen. Übrigens: Von diesen 5% sind 54% nachgewiesenermaßen von einer Laktoseintoleranz betroffen, während 41% dies lediglich vermuten.
Stimmt nicht. Auch Milch von anderen Tieren wie Schaf, Pferd oder Ziege enthält Laktose, teilweise sogar mehr als Kuhmilch. Schauen Sie selbst in unsere Übersicht zu den verschiedenen Milchsorten.
Stimmt nicht. Zumindest, wenn man sich die Zahlen aller Betroffenen ansieht. Denn weltweit vertragen etwa 75% der Weltbevölkerung keine Laktose. In Deutschland geht man von 15 Millionen aus. Zahlenmäßig sind also viele Menschen betroffen. Sie weisen lediglich einen Mangel oder eine eingeschränkte Aktivität des Enzyms Laktase auf und können die in der Milch enthaltene Laktose nicht oder nur schwer abbauen. Für sie ist laktosefreie Milch eine besonders gute Alternative, um ihren Calciumbedarf zu decken.
Stimmt nicht. Die generell niedrige Versorgungslage mit Vitamin D in Deutschland sieht ohne den Konsum von Milchprodukten noch schlechter aus. Denn direkt nach Fisch und Eiern stehen Milchprodukte an dritter Stelle als Vitamin D-Lieferanten.
Übrigens: Auch laktosefreie Milch ist eine gute Vitamin D-Quelle.
Stimmt nicht. Das Risiko einer Osteoporose (Knochenschwund) im Alter ist aber deutlich erhöht, wenn - etwa durch den Verzicht auf Milchprodukte – zu wenig Calcium aufgenommen wird. Besonders in jungen Jahren ist eine ausreichende Calciumversorgung wichtig, um die maximale Knochendichte zu erhalten. Dies ist ohne Milchprodukte nur schwer zu erreichen. Bei Laktoseintoleranz ist laktosefreie Milch eine gesunde Alternative, um auch im Alter stabile Knochen zu behalten.
Stimmt nicht. Generell gilt: Produkte dürfen dann als „laktosefrei“ bezeichnet werden, wenn sie weniger als 0,1 g Laktose pro 100 g Produkt enthalten. Diese geringe Menge vertragen aber auch laktoseintolerante Menschen, die äußerst sensibel auf Laktose reagieren. Diese als laktosefrei deklarierten Lebensmittel sind daher auch für Betroffene garantiert verträglich.
Stimmt nicht. Denn Milch und Milchprodukte sind wichtige Calcium-Lieferanten. Ein Erwachsener benötigt etwa 1000 mg Calcium am Tag. Ohne Milchprodukte ist das nur sehr schwer zu erreichen. Möglicherweise kann eine ausreichende Menge an Milchprodukten auch vor bestimmten Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes schützen. Eine aktuelle Studie zeigte jetzt: Personen, die sich selbst als laktoseintolerant einschätzten und dadurch weniger Milchprodukte aßen, nahmen deutlich weniger Calcium auf. Die Folge: Bei ihnen wurde häufiger Bluthochdruck und Diabetes festgestellt. Mehr Informationen finden Sie in der Originalstudie.