Ich hatte häufig Bauchkrämpfe und Verdauungsprobleme. Nach mehreren Arztbesuchen wurde bei mir ein Atemtest durchgeführt, der einen hohen Wert angezeigt hat. In diesem Zusammenhang wurde dann auch noch eine Fruktoseunverträglichkeit festgestellt. Die Diagnose wurde bei mir mit Anfang 30 gestellt.
Ja, nach der Diagnose wurde ich an eine spezielle Ernährungsberatungsstelle einer großen Klinik verwiesen. Dort wurde ich vor allem mit Informationsmaterial unterstützt, auch ein Tagesplan wurde für mich erstellt. Problematisch war, dass ich als Vegetarierin kein Fleisch und keine Wurst esse. Das hat die Beratung schon gefordert. Toll war, dass ich überhaupt an einen Experten verwiesen wurde. Wirklich geholfen hat mir dann aber viel mehr eine Freundin, die Ökotrophologin ist und mir viele Alltagstipps gegeben hat wie beispielsweise, dass ich auch mit Fruktoseintoleranz Obst essen kann, wenn ich gleichzeitig Traubenzucker dazu esse. Inzwischen habe ich Erfahrung, was ich vertrage und was nicht.
Ja, ich ersetze alle Milchprodukte außer Butter durch laktosefreie Produkte aus dem Supermarkt. Da hat sich ja glücklicherweise in den letzten 10 Jahren sehr viel getan, auch preislich. Es gibt eine Fülle von Produkten wie Quark, Schmand, Schlagsahne und Joghurt. Und ich trinke auch laktosefreie Milch. Das einzige Produkt, das ich mir noch mit Laktose gönne, ist Sauerrahmbutter aus dem Reformhaus, die schmeckt einfach richtig gut! Ach ja, und ich backe sehr gerne Quarkkuchen, der bröckelt zwar etwas mehr mit laktosefreiem Quark, schmeckt aber trotzdem lecker.
Die Unverträglichkeiten haben mein Leben schon verändert. Ich würde aber sagen, durchaus zum Positiven. Gerade weil ich jetzt mehr über meine Ernährung nachdenken muss als früher, merke ich, dass ich mir selbst wichtiger geworden bin. Leider passiert es mir noch immer, dass Außenstehende nicht verstehen, dass ich nicht alles essen kann.
Wenn ich zuhause bin, kochen meine Mutter und ich oft gemeinsam. Sie ist meine Nachbarin, da genießen wir es, Zeit miteinander zu verbringen. Dabei nutzen wir zum Zubereiten immer laktosefreie Produkte. Bei Joghurt oder anderen Kleinigkeiten für zwischendurch hat jeder seine eigenen Vorlieben, meine berücksichtigt eben immer meine Unverträglichkeiten. Zuhause habe ich mich sehr gut organisiert, da klappt meine Ernährung problemlos. Unterwegs sieht das schon anders aus. Die Öffentlichkeit ist immer noch zu wenig auf Menschen wie mich eingestellt. Nur selten gibt es laktosefreie Milch oder auch Sojamilch im Café. Wenn ich – was ich selten mache - doch mal ins Restaurant gehe, esse ich am liebsten indisch. Dort werden keine Milchprodukte verwendet. Beim Italiener suche ich gewissenshaft aus, lasse Sahnesoßen weg und lasse auch schon mal in der Küche nachfragen. Wenn es nicht anders geht, nehme ich auch mal Laktase-Tabletten, aber nur ungern. Ich fühle mich dann irgendwie nicht gut.
Ich war in den letzten Jahren meist in Ferienwohnungen und habe mich selbst verpflegt. Das ist für mich die Bedingung bei der Urlaubsplanung. Das klappt dann sehr gut und ich muss mich nicht einschränken. Bei Familienfeiern ist das schon anders. Da habe ich manchmal das Gefühl, nicht satt werden zu können. Ich habe nur zwei gute Beispiele in der Familie, die darauf eingestellt sind, dass ich eben nicht alles essen kann. Da vergeht mir manchmal die Lust zu feiern.
Mein Tipp ist, die Unverträglichkeit zu akzeptieren und danach zu leben. Eine gute Beratung ist wichtig, aber nach einer Weile weiß man einfach, was gut für einen ist. Zum Beispiel mache ich ein richtig gutes Eis selbst – ohne Laktose und ohne Fruktose. Das begeistert immer wieder auch Freunde, die diese Einschränkungen gar nicht haben.
Ich würde mir wünschen, dass es mehr Produkte gibt, die man bei gleichzeitiger Fruktose- und Laktoseintoleranz essen kann. Denn das tritt ja gar nicht so selten zusammen auf. Wenn ich einkaufen gehe, gibt es zwar laktosefreies Eis, das kann ich aber wegen der enthaltenen Fruktose nicht kaufen. Und bei Joghurt kann ich nur die laktosefreien Sorten ohne Geschmack nehmen, die nicht gesüßt sind. Das wäre vielleicht mal eine Idee. Aber insgesamt bin ich sehr froh, dass sich in den letzten Jahren so viel getan hat. Das betrifft ja nicht nur die Laktoseintoleranz, sondern zum Beispiel auch die Glutenunverträglichkeit. Die Industrie hat sich schon gut darauf eingestellt. Und dass die Preise da etwas teurer sind -durch den geringeren Absatz - ist ja klar.
Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin gute Gesundheit!